WM Karten
Südafrikas WM-Organisatoren wollen das wie bei der WM in Deutschland 2006 brisante Karten-Problem mit einer bislang nie dagewesenen Good-Will-Aktion entschärfen.
120 000 Eintrittskarten der günstigsten Kategorie Vier werden kostenlos an im Gastgeberland lebende Fußballanhänger gehen, die sich sonst kein Spiel live anschauen könnten. «Die Zielgruppe sind arme Fans. Wir werden sicherstellen, dass diese Karten an diese Menschen gehen», sagte der Geschäftsführer des Organisationskomitees (SALOC), Danny Jordaan vor der Auslosung der Qualifikationsgruppen in Durban.
Insgesamt wird es für alle 64 WM-Spiele etwa drei Millionen Karten in vier unterschiedlichen Preiskategorien geben. Internationale Fans erhalten Tickets von 50 Euro an für Spiele der Vorrunde. Die billigste Finalkarte kostet 270 Euro, das teuerste Billet für das Endspiel am 11. Juli im Soccer-City-Stadion von Johannesburg wird etwa 600 Euro kosten. Die Verbände der teilnehmenden Teams erhalten in der Vorrunde je zwölf Prozent der Kartenkontingente, anschließend wird der Anteil auf je acht Prozent der Stadionkapazität reduziert.
Die günstige Karten-Kategorie Vier ist in Südafrika lebenden Menschen vorbehalten: Mit Preisen zwischen 13 und 100 Euro. Bei der WM in Deutschland hatte die günstigste Karte 35 Euro gekostet. Zum Vergleich: Für normale Länderspiele in Südafrika müssen Fans gegenwärtig zwischen drei und fünfzig Euro hinblättern.
Hinter der Freikarten-Aktion verbirgt sich besonderer Zündstoff. Bislang ist ungeklärt, wie die WM-Macher verhindern wollen, dass die Karten auf dem Schwarzmarkt teuer weiterverkauft werden, und somit nicht wie geplant die arme, einheimische Bevölkerung in den Genuss von WM-Spielen bringen. «Das ist natürlich eine Herausforderung. Aber auch teure Karten landen immer wieder auf dem Schwarzmarkt. Bei jeder großen Sportveranstaltung gibt es Tickets auf dem Schwarzmarkt. Erlaubt ist das natürlich nicht. Und wir werden einen Weg finden, dass die Karten an die armen Südafrikaner gehen», sagte Jordaan.
Auch über ihre Definition von «armen Menschen» schweigen sich die WM-Macher noch aus. «Die meisten Fußballfans in Südafrika kommen aus der Arbeiterklasse. Und die Mercedes-Fahrer werden bestimmt keine Karten der günstigen Kategorie Vier haben wollen. Die wollen in die Nähe der VIP-Räume sein und Karten der anderen Kategorien kaufen», betonte Jordaan. Er habe eine Idee für den Verteilungsschlüssel, könne darüber aber noch nicht öffentlich reden.
Die WM-Gastgeber rechnen 2010 mit rund 450 000 WM-Touristen im Land. Abhängig ist diese Zahl aber vorallem von der Qualifikation Englands. Aus dem Fußball-Mutterland werden bis zu 100 000 Fans erwartet. «Wenn die Engländer eine Chance auf den Titelgewinn sehen, werden es sicherlich mehr werden», sagte Jordaan.
Johannesburg wird in zweieinhalb Jahren zur Welt-Fußball- Hauptstadt. Insgesamt 15 der 64 WM-Spiele finden dort statt, acht im Soccer-City-Stadium und sieben im Ellis-Park. In Kapstadt und Port Elizabeth werden je acht Begegnungen ausgetragen, in Durban sieben Partien. Rustenburg, Bloemfontain und Pretoria bekamen den Zuschlag für je sechs WM-Duelle. In Polokwane und Nelspruit ist die WM nach je vier Vorrundenpartien beendet.
Wie seit der WM 1994 in den USA üblich, müssen die 32 Teams ihre Vorrundenbegegnungen in drei verschiedenen Stadien austragen und entsprechend durchs Land reisen. Beginnen werden alle Spiele um 13.00 Uhr, 16.00 Uhr oder 20.00 Uhr Ortszeit. Da es im Sommer keine Zeitverschiebung zu Südafrika gibt, können sich die Fans in Deutschland auf Fußball am Nachmittag und zur Prime-Time am Abend freuen.
Quelle: Welt dpa 25.11.07

