Franka Potente dreht U-Boot-Saga in Kapstadt
Ein wenig bekannter Akt von Zivilcourage mitten im Zweiten Weltkrieg wird zur Zeit in Südafrikas Touristenmetropole Kapstadt verfilmt.
Das Drama «Laconia» (Arbeitstitel) zeichnet eine ungewöhnliche Rettungsaktion durch den deutschen U-Bootkapitän Werner Hartenstein im Herbst 1942 nach. Er hatte vor Westafrika den bewaffneten britischen Truppentransporter «Laconia» versenkt, dann aber die Rettung hunderter Schiffbrüchiger unterschiedlicher Nationalitäten organisiert. Mit Stars wie Franka Potente, Ken Duken oder Andrew Buchan drehen die Produktionsfirmen talkbackThames und TeamWorx nun im Auftrag von BBC und ARD den Film zum Seekriegs-Drama. Der TV-Ausstrahlungstermin ist noch offen. 
Fast 300 000 Euro hat allein der Bau des schwimmfähigen U-Boots in Originalgröße gekostet, das zum Filmen in Kapstadts Bucht geschleppt wird. Ebenso wie die aus Holz täuschend echt nachgebauten Innenabteile, die in einem Lagerschuppen klaustrophobische Enge vermitteln, wurde es in knapp vier Monaten gebaut. Kulissenbauer Knut Loewe - ein feinsinniger Architekt mit künstlerischen Ambitionen - hat trotz aller Authentizität auch seiner Fantasie freien Lauf gelassen. «Das hier ist eigentlich Dada», meint er verschmitzt im «Maschinenraum». Er habe sich von Joseph Beuys und anderen Künstlern inspirieren lassen, sagt der begeisterte Segler.
Drei Lagen funktionsfähiger Kabel und Rohre wie im Original-U-Boot nachzubauen war für die Filmzwecke unnötig - Loewe erzielte Effekte mit einem fast schon künstlerisch wertvollen Über- und Nebeneinander von Handrädern und Schaltern. Fast fünf Jahre haben sich die Vorbereitungen für die filmische Umsetzung des Drehbuchs von Alan Bleasdale hingezogen. Briten und Deutsche wollten soviel Authentizität wie möglich, um dem Helden von U-156 ein spätes filmisches Denkmal zu setzen. Zugleich durften bei einem Unterhaltungsfilm jedoch auch Emotionen nicht fehlen.
Franka Potente garantiert sie im Film. Die 35-jährige mimt in der 12 Millionen Euro teuren deutsch-britischen Co-Produktion eine Schiffbrüchige mit problematischem deutsch-britischen Hintergrund, die sich in einen Offizier der «Laconia» verliebt. Sie verdankt ihr Leben Hartenstein, der sich über Vernichtungsbefehle hinwegsetzt und damit seine militärische Führung, aber auch seine Gegner vor ein moralisches Dilemma gestellt hat. Die bombardierten schließlich in einer unheilvollen Entscheidung das zum schwimmenden Lazarett umfunktionierte U-Boot mit den vollbesetzten Rettungsbooten im Schlepp. Obwohl U-156 schwer beschädigt sofort abtauchte, wurden wenig später dank Hartensteins zweieinhalbtägiger Rettungsaktion immerhin noch insgesamt 1500 Schiffbrüchige geborgen.
Dennoch verschwiegen beide Kriegsparteien aus unterschiedlichen Gründen verschämt den Zwischenfall. Der deutschen Kriegsführung passte Hartensteins humanitärer Akt schlecht ins Konzept - Hitler wollte harte Seewölfe, die vor allem die Zahl der versenkten feindlichen Bruttoregistertonnen und weniger die menschliche Seite ihrer Handlungen im Auge hatten. Hartensteins Aktion führte daher zum sogenannten Laconia-Befehl, wonach U-Boot-Kapitäne «Härte» zu zeigen hätten und nach der Versenkung feindlicher Schiffe keine Rettungsaktionen mehr starten sollten. Den Alliierten dagegen ging auf, dass sie einen schwerwiegenden Fehler begangen hatten. Die Besatzung von U-156 konnte eh nicht mehr drüber reden: sie wurde ein halbes Jahr später versenkt und verschwand in der Tiefe des Meeres.
Quelle:www.mv-online.de

